Führung in der Krise

"Dem Bedürfnis nach Sicherheit sollten wir deshalb auf anderem Weg begegnen, als durch den Blick in die Kristallkugel. Wenn es darum geht ein Mehr an Sicherheit zu bieten, gilt es verlässliche Routinen und wohltuende Rituale zu schaffen."


Karsten M., Führungskraft aus einem mittelständischen Unternehmen in Braunschweig fragt:
„Wie navigiere ich mein Team durch diese Krise? Wir sind aktuell alle im Homeoffice. Ich nehme eine große Verunsicherung in meinem Team wahr. Auch mir raubt die aktuelle Situation den Schlaf. Wie es weiter geht? Keine Ahnung! Doch was sag ich meinem Team?“

 

Sven Franke: Wir sind aktuell konfrontiert mit einer der extremsten Situationen, die wir uns überhaupt vorstellen können. Extrem nicht nur wegen der Maßnahmen, die aktuell von der Politik fast täglich verkündet und weiter verschärft werden. Was die Situation im Erleben extrem macht, ist, dass wir das Ausmaß der Situation nicht überblicken und schon gar nicht erfassen können. Das verursacht maximale Verunsicherung.

 

Nadine Nobile: Der erste Schritt ist deshalb erst einmal anzuerkennen und zu benennen, in welcher Situation wir uns befinden. So schmerzhaft und unbefriedigend das Ihnen erscheint. Aktuell Vorhersagen zu treffen kann zu noch mehr Verunsicherung führen. Denn sobald eine Ihrer Annahmen, auf die Ihre Prognose basiert, wegfällt, sind Sie gezwungen Ihre Prognosen anzupassen.

In dynamischen Zeiten wie diesen, kann dies schneller passieren, als Sie abschätzen können. Umso öfter Sie jedoch Ihre Vorhersage anpassen, desto mehr verliert Ihr Blick in die Zukunft an Gewicht. Seien Sie deshalb möglichst transparent, auch darüber was Sie nicht wissen.

 

Sven Franke : Wenn wir genauer hinschauen, dann konnten wir auch in der Vergangenheit kaum noch das Ausmaß von Veränderungen oder Handlungsbedarfen überblicken. Wir haben uns in einer Schein-Sicherheit eingerichtet.

So glaubten doch viele noch vor wenigen Wochen abschätzen zu können, wie sich das laufende oder sogar das kommende Geschäftsjahr entwickeln wird. Und das obwohl wir in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit heftigen exogenen Schocks konfrontiert waren, wie z.B. 9/11, Finanzkrise, Fukushima um mal drei zu nennen. Darauf vorbereitet sind wir aber auch dieses Mal nicht. Jetzt gilt es das Gestaltbare zu gestalten.

Nadine Nobile: Dem Bedürfnis nach Sicherheit sollten wir deshalb auf anderem Weg begegnen, als durch den Blick in die Kristallkugel. Wenn es darum geht ein Mehr an Sicherheit zu bieten, gilt es verlässliche Routinen und wohltuende Rituale zu schaffen. Im Homeoffice können Sie beispielsweise mit Programmen wie Microsoft Teams, Zoom oder Skpye, um nur einige digitale Tools hier zu nennen, einen kurzen täglichen Austausch im Team ermöglichen.

 

Wie geht es jedem Einzelnen? Was sind aktuelle Fragestellungen, die die Kolleg*innen umtreiben? Begrenzen Sie diesen Austausch aber nicht auf inhaltliche Aspekte. Gerade jetzt sollten Sie Fragestellungen thematisieren, die die neue Arbeitssituation mit sich bringt. Überlegen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Team, mit welchen Ritualen und Formaten sie einander stärken und unterstützen könnten. So kann man beispielsweise eine virtuelle Kaffeeküche initiieren oder einen virtuellen Wochenausklang. 

 

Sven Franke: Für Sie als Führungskraft sollte das darüber hinaus bedeuten, gemeinsam mit Mitarbeitenden regelmäßige, virtuelle Einzelgespräche zu führen. Mehr denn je gelten hier unsere goldenen Kommunikationsregeln für Führungskräfte: Zuhören, wahrnehmen, erstnehmen sowie eigenes Erleben teilen. Das schafft Nähe und Verbundenheit. In diesem Tohuwabohu sollten Sie auch sich selbst nicht aus dem Blick verlieren. Tauschen Sie sich mit anderen Führungskräften gezielt über Führungsthemen aus und suchen Sie sich, falls Sie den Wunsch nach einem Außenblick haben, mit einem Coach oder einer Mentorin aus.


Dieser Beitrag ist in der April-Ausgabe des Wirtschaftsmagazin Standort 38 im Rahmen unserer monatlichen Kolumne erschienen. 



Sven Franke & Nadine Nobile sind Gründer von CO:X. Sie gehen als Prozess- und Organisationsbegleiter verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven in Unternehmen  nach. Immer mit dem Ziel den eigenen Horizont zu erweitern und Impulse weiterzugeben und Entwicklung anzuregen.



Kommentar schreiben

Kommentare: 0